News
Eine Zusammenstellung von internationalen Medienberichten zu aktuellen Entwicklungen in der Provenienzforschung.

2026-04-22
New York Times
Dutch Panel Designs Plan to Deal With ‘Orphaned’ Nazi-Looted Art
A portrait from the heirless art collection, an early-17th-century oil by Peter Paul Rubens of Jan Neyen, a diplomat and ranking Franciscan friar, who took part in talks to establish the Twelve Years’ Truce (1607-1609) of the Eighty Years’ War.
The collection is worth millions, perhaps hundreds of millions of dollars, and contains tapestries, antique silver, and 1,500 oil paintings on canvas, including works by Rembrandt, Frans Hals and a half dozen by Peter Paul Rubens.
But this is not a museum collection or the private trove of a single wealthy art collector.
It is known as the Dutch Art Collection (Nederlands Kunstbezit-collectie, or NK Collection), and consists entirely of art and cultural objects that the Allies repatriated to the Netherlands from Germany in the wake of World War II. Its current custodian is the Dutch Cultural Heritage Agency, which loans the artworks to Dutch museums, embassies and government buildings.
Most of the works were looted from Jews who had been deported or killed in concentration camps, while others were sold under duress. Some have no known history.
For decades, they have been labeled “heirless” or “orphaned” property by the Dutch state, and have remained in the custody of the cultural heritage agency, some on loan to museums, and others in storage at a large warehouse in Arnhem.
But on Wednesday, a committee appointed by the Dutch government two years ago to address the quandary of what to do with the art issued a report that set out what it described as a feasible plan to settle the issue going forward.
Under the proposal, a foundation to be created by the Dutch Jewish community would be entrusted as guardians of a collection that is emblematic of both humankind’s aesthetic genius and its worst failings. Such a foundation would “preferably be housed at the Jewish Museum” in Amsterdam, the panel recommended, which could actively program exhibitions, and lend artworks to other institutions. […]

2026-03-30
BR24 Kultur
50 Jahre nach Erwerb: Pinakotheken geben Raubkunst zurück
Die Bayerischen Staatgemäldesammlungen hatten in den letzten Monaten keine gute gute Presse. kritisiert wurde der Freistaat unter anderem für seinen Umgang mit mutmaßlicher NS-Raubkunst. Von Verschleppung war die Rede, eine Untersuchungskommission attestierte den Staatsgemäldesammlungen zumindest mal ein "organisatorisch unzureichend strukturierte(s) Vorgehen".
Da kommt diese Meldung zur rechten Zeit: Die Pinakotheken restituieren ein Raubkunst-Gemälde an ihre rechtmäßigen Besitzer. Das gaben die Staatsgemäldesammlungen am Montagnachmittag bekannt. Dabei handelt es sich um das Bild "Interieur mit Kindern (Die Geschwister)" des jüdischen Malers Lesser Ury (1861–1931). Es geht nun an die Erben des Berliner Bankiers Curt Goldschmidt. […]

2026-03-26
Dresdner Neueste Nachrichten
Kriegsverlust: Cranach-Bild kehrt nach Dresden zurück
Dresden. Es ist von seinen Maßen her schnell zu übersehen: das nur etwa postkartengroße Bildnis des sächsischen Kurfürsten Friedrich III., genannt der Weise. Gemalt wurde es im 16. Jahrhundert von keinem Geringeren als Lucas Cranach dem Älteren, dem Hofmaler Friedrichs. Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges galt das Bild als verschollen.
Nun ist das kleinformatige Porträt nach mehr als 80 Jahren in die Gemäldegalerie Alte Meister und damit zu den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) zurückgekehrt. Unter den über 500 Kriegsverlusten der Dresdner Gemäldegalerie befinden sich 18 Werke aus der Cranach-Werkstatt, von denen bis heute sieben wieder im Bestand sind.
Auf Eichenholz gemaltes Werk
SKD-Generaldirektor Bernd Ebert sagte am Donnerstag bei der Präsentation in Dresden, das Bild sei im Austausch mit der Familie, die es vor Jahrzehnten im Kunsthandel gekauft hatte, „für einen kleinen Betrag“ zurückerworben worden. Es galt lange Zeit als Kriegsverlust und war laut Ebert in den 1970er Jahren im Kunsthandel aufgetaucht. […]

2026-02-14
Jüdische Allgemeine
Wolfram Weimer kündigt Restitutionsgesetz an
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) möchte bis zum Ende der Legislaturperiode in Deutschland ein Restitutionsgesetz für geraubte Kulturgüter etablieren. Er habe dazu eine Initiative ergriffen, sagte Weimer im Interview der Woche des »Deutschlandfunks«. Es gebe »immer noch sehr viele offene Fälle«, erläuterte er. Gleichwohl sei das »keine Frage der Zahl, das ist eine Frage der Moral«, unterstrich der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien.
Weimer sagte in dem Radiointerview, er wolle ein »Restitutionsgesetz insgesamt, jetzt nicht bezogen auf Kolonialismus, sondern auch auf die Nazizeit«. Neben geraubter Kunst erwähnte der Kulturstaatsminister auch menschliche Überreste, die »jeder sofort katalogisieren, feststellen und Rückgabeangebote machen« sollte.
Vorverhandlungen hätten bereits begonnen, erläuterte er. Erste Gesetzentwürfe »sind in der Mache«. Eine gesetzliche Regelung zusätzlich zum bestehenden Schiedsgericht sei nötig, hob Weimer hervor. Seit 1. Dezember vergangenen Jahres soll die neu eingerichtete Schiedsgerichtsbarkeit NS-Raubgut in strittigen Fällen über die Rückgabe von Kulturgütern entscheiden. Voraussetzung ist, dass diese verfolgungsbedingt während der Nazizeit den Eigentümern entzogen wurden. Dabei geht es vor allem um vormals jüdischen Besitz. […]

2026-02-02
Der Standard
Horten-Museum bekennt sich zu gründlicherer NS-Aufarbeitung
Deutlicher als bisher bekennt sich die Heidi Horten Collection unter Direktorin Verena Kaspar-Eisert zu der mit dem Vermögen verbundenen historischen Verantwortung. [...] Der bereits mit November vergangenen Jahres vollzogene Führungswechsel ist zugleich mit einer Neuausrichtung verknüpft, die erste konkrete Formen angenommen hat: Sei es über den Ausbau von Vermittlungsformaten oder der künftigen sichtbaren Stärkung weiblicher Positionen im Programm und in der Sammlung – oder sei es auch im Umgang mit der historischen Verantwortung zum Vermögensaufbau Helmut Hortens in der NS-Zeit und dem Thema Provenienzforschung. […]
2026-01-28
Eidgenössisches Departement des Innern EDI - Medienmitteilung
Der Bundesrat ernennt die Mitglieder der Kommission für historisch belastetes Kulturerbe
Der Bundesrat hat an seiner Sitzung vom 28. Januar 2026 das Präsidium und die Mitglieder der Expertenkommission für historisch belastetes Kulturerbe ernannt. Die Kommission wird den Bundesrat und die Bundesverwaltung in Fragen rund um historisch belastetes Kulturerbe beraten. Sie kann in strittigen Fällen angerufen werden und nicht bindende Empfehlungen zu Kunstwerken aus der Zeit des Nationalsozialismus und zu Kulturgütern aus dem kolonialen Kontext abgeben.
An seiner Sitzung vom 28. Januar 2026 hat der Bundesrat alt Bundesrätin Simonetta Sommaruga zur Präsidentin ernannt. Sie verfügt über reiche politische Erfahrung und ist in der Schweiz und international sehr gut vernetzt. Die weiteren Mitglieder sind: Felix Uhlmann (Vizepräsident), Professor für Staats- und Verwaltungsrecht an der Universität Zürich, Marc-André Renold, Anwalt und Experte für Kunst- und Kulturgüterrecht, Regula Ludi, Geschichtsprofessorin an der Universität Freiburg, Noémie Etienne, Professorin für Kunstgeschichte an der Universität Wien, Nikola Doll, Fachbereichsleiterin, Deutsches Zentrum Kulturgutverluste, Esther Tisa, Expertin für Provenienzforschung im Museum Rietberg, Hanno Loewy, Direktor des Jüdischen Museums Hohenems, Henri-Michel Yéré, Historiker und Dozent an der Universität Basel, und Fabio Rossinelli, Historiker und Forscher an den Universitäten Lausanne und Genf.

2026-01-27
Stiftung Preussischer Kulturbesitz - Mitteilung
SPK restituiert Lovis-Corinth-Gemälde aus der Sammlung Littmann – Schenkung an die Alte Nationalgalerie
Die SPK hat das Gemälde „Eleonore von Wilke“ von Lovis Corinth aus der Sammlung der Alten Nationalgalerie an die Erben nach Ismar und Käthe Littmann restituiert. Diese schenkten es anschließend dem Museum, wo es im Anschluss an die Corinth Ausstellung weiter zu sehen sein wird.

2026-01-05
Handelsblatt
Erfolgreiche Detektivarbeit
2010 vermachten Ulla und Heiner Pietzsch ihre Kollektion mit Werken des Surrealismus und des US-amerikanischen abstrakten Expressionismus dem Land Berlin. Der Kabinettausstellung in der Neuen Nationalgalerie ging eine gründliche Erforschung der Provenienzen in der Sammlung durch die Staatlichen Museen zu Berlin voraus.

2025-11-26
Jüdische Allgemeine
»Es ist sehr viel Zeit verloren gegangen«
Der ehemalige Präsident des Bundesverfassungsgerichts zieht eine Bilanz seiner Arbeit an der Spitze der »Beratenden Kommission NS-Raubgut«, die jetzt abgewickelt und durch Schiedsgerichte ersetzt wird.
Herr Professor Papier, Sie waren acht Jahre lang Vorsitzender eines Gremiums mit dem Titel »Beratende Kommission im Zusammenhang mit der Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturguts, insbesondere aus jüdischem Besitz«. Jetzt wird diese Kommission abgewickelt und durch Schiedsgerichte ersetzt. Welche Bilanz Ihrer Arbeit ziehen Sie?
Für mich als Verfassungsrechtler war das eine äußerst spannende und lehrreiche Zeit. Ich denke, es war auch eine wichtige Tätigkeit. Sie hat mich tief beeindruckt - und auch tief deprimiert.
Warum deprimiert?
Weil ich mit schreiendem Unrecht konfrontiert wurde. Ich habe gesehen, welch unsäglichen Entrechtungen die Nazis die jüdische Bevölkerung ausgesetzt hatten und was die NS-Verfolgung für einzelne Menschen bedeutete.
Zum 30. November wird die Beratende Kommission nach 22 Jahren aufgelöst. Sind nun alle anhängigen Fälle abgearbeitet?
Nein. Fünf konnten wir nicht abschließen, darunter der besonders komplexe Fall des Welfenschatzes. Hierzu wurde die Kommission aber erst vor Kurzem von der Stiftung Preußischer Kulturbesitz angerufen. Lange Zeit hatte sie diesen Schritt verweigert und so blieb keine Zeit mehr.
Was passiert nun mit diesen Fällen?
Es ist vorgesehen, dass sie – sofern die Streitparteien einverstanden sind – an die neuen Schiedsgerichte übergehen. Allerdings beginnt jeweils ein neues Verfahren, denn das Schiedsgericht kann nicht in das vor der Beratenden Kommission NS-Raubgut laufende eintreten.
[...]

2025-11-18
Handelsblatt
Beratende Kommission – ihr letzter Fall
Die Beratende Kommission vermittelt in festgefahrenen Streitfällen um NS-Raubkunst. Ihre letzte Amtshandlung endet mit einer gütlichen Einigung und einem Appell an den Gesetzgeber.
Für ihren letzten Fall fand die Beratende Kommission eine logische, aber dennoch ungewöhnliche Lösung, die sogar verbindlich ist. Das Gremium, das in den letzten 23 Jahren in festgefahrenen Streitfällen um NS-Raubkunst beriet, erwirkte erstmals eine gütliche Einigung durch Mediation, statt nur eine – bekanntlich – unverbindliche Empfehlung auszusprechen.
Oft genug stand das kleine, aus Ehrenamtlichen zusammengesetzte Gremium in der Kritik; seltener aufgrund der Empfehlungen der Kommission, die sie in 25 Fällen aussprach, vielmehr aufgrund ihrer Konstruktion und ihrer begrenzten Ausstattung. Aber das war nicht ihr Verschulden. Und ob sich die Verrechtlichung des Restitutionsverfahrens durch die sie in Kürze ablösenden Schiedsgerichte für die Opfer auszahlen wird, ist fraglich.
Die „Vereinbarung“ betrifft ein inzwischen P.V. Plas zugeschriebenes „Bäuerliches Frühstück“ aus dem Besitz des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) in Bonn. Seit mehr als vier Jahren wurde nach einer Lösung gesucht. Nun entschloss sich die Kommission, das Bild der Gerechtigkeit halber an zwei Parteien jeweils zum hälftigen Miteigentum zu restituieren: an die erstgeschädigte, die Stern Foundation, Erbin der Galerie Max Stern, und an die zweitgeschädigte, nämlich die Erben nach Hugo Heinemann, dem jüdischen Kunden Sterns, der das Bild bei Stern erworben hatte und später im KZ umgebracht wurde. Ein Erwerb durch den LVR kam infolge der Neubewertung durch die Neuzuschreibung nicht mehr infrage.

2025-11-06
John Cornyn - Pressemitteilung
Cornyn, Blumenthal, Colleagues’ Bill to Aid Recovery of Nazi-Confiscated Art Passes Committee
WASHINGTON – U.S. Senators John Cornyn (R-TX), Richard Blumenthal (D-CT), Thom Tillis (R-NC), Cory Booker (D-NJ), Marsha Blackburn (R-TN), John Fetterman (D-PA), Eric Schmitt (R-MO), and Katie Britt (R-AL) released the following statements after the Holocaust Expropriated Art Recovery (HEAR) Act, which would aid in the recovery of Nazi-looted art and deliver justice for Holocaust survivors and their families, passed the Senate Judiciary Committee unanimously:
“This legislation clarifies and strengthens procedural protections for Holocaust survivors and their heirs by ensuring Nazi looted art claims will be considered on the merits,” said Sen. Cornyn. “With the rising tide of antisemitism around the world, this bill sends a message that Holocaust survivors and their heirs will not be forgotten, and that justice does not have a time limit.”
“The theft of art by the Nazi regime was more than a pilfering of property—it was an act of inhumanity,” said Sen. Blumenthal. “Our bipartisan effort seeks to strengthen measures to bring long overdue justice to families whose cherished art was brazenly stolen by the Nazis.”
“This legislation helps to right a historic wrong committed during one of the darkest chapters in history,” said Sen. Tillis. “By eliminating unnecessary legal obstacles, the HEAR Act establishes a clear path to restitution for Holocaust survivors and their families, ensuring that art and cultural property stolen by the Nazis can finally be returned to their rightful owners.”
“Despite decades’ long efforts by the United States and allies to return Nazi-looted art to Holocaust victims and their heirs, over 100,000 works of art have yet to be recovered and returned to their rightful owners,” said Sen. Booker. “I’m pleased that the Senate Judiciary Committee has passed this important bill that updates federal law to ensure that survivors and their heirs finally regain possession of their stolen art.”
2025-10-24
SRF Kultur
Kehrt die Bührle-Stiftung Zürich bald den Rücken?
Die Bührle-Stiftung hat ihren Stiftungszweck angepasst, damit muss die Sammlung nicht mehr zwingend in Zürich ausgestellt werden. Das sind die Folgen des Entscheids.
Worum geht’s? Die Bührle-Stiftung, zu der die kontrovers diskutierte Bührle-Sammlung im Kunsthaus Zürich gehört, hat im Handelsregister ihren Stiftungsauftrag geändert: Bis jetzt hat es dort geheissen: Zweck der Stiftung sei es, die Bilder der Sammlung als Ganzes der Stadt Zürich zu erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Neu fehlt der Hinweis «der Stadt Zürich». Gemäss ihrem Zweck ist die Stiftung nun nicht mehr an die Limmatstadt gebunden und könnte ihre Bilder auch woanders zugänglich machen. Die «NZZ» berichtete am Donnerstag als erste über die kleine, aber möglicherweise folgenreiche Änderung.
Kommt dieser Schritt überraschend? Es gab in der Vergangenheit immer mal wieder Drohungen, die Bührle-Sammlung könnte Zürich perspektivisch verlassen. Diese wurden meist nicht besonders ernst genommen. Dass jetzt der Stiftungszweck angepasst wurde und damit – zumindest theoretisch – der Grundstein für die Abwanderung der Sammlung gelegt wurde, kommt aber dennoch unerwartet.
Wie erklärt sich der Stiftungsrat? In einer kurzen Stellungnahme schreibt der Stiftungsrat auf Anfrage, dass die Änderung «schon länger diskutiert und verabschiedet» worden sei. «Die Bereinigung stellt keinen Entscheid über die weitere Zukunft der Sammlung dar», heisst es. «Stiftungsratsmitglied Victor Schmid hat zudem versichert, dass dieser Schritt nichts mit der Diskussion um die Herkunft der Bilder zu tun habe», erklärt SRF-Regionalredaktor Christoph Brunner.
